Montag, 23. April 2007

Traumdeutung


Letzte Nacht hatte ich einen Traum.

Nichts ungewöhnliches ...
Ich träumte von mir und meiner Mutter.
Ebenfalls nichts ungewöhnliches, da ich oft von ihr träume.
Doch dieser Traum in der letzten Nacht war sehr merkwürdig ...
Wenn ich Traumdeuterin wäre, hätte ich mir sofort selbst diesen Traum gedeutet. Da ich aber leider keine speziellen Fähigkeiten dafür habe, schreibe ich meinen Traum hier auf, in der Hoffnung, jemand, der ihn liest, gibt mir ein oder zwei Ansatzpunkte für dessen Bedeutung ...

Mama und ich liefen nebeneinander in einen Supermarkt hinein.
Sie schob einen leeren Einkaufwagen vor sich her, wie man es eben so tut, wenn man vor hat, einzukaufen. Ich lief an ihrer Seite. Anders als in anderen Träumen, in denen Mama vorkam, konnte ich in diesem Traum ihr Gesicht sehen, ihre Augen, ihren Mund, ihre Nase ... alles. So als würde sie leibhaftig vor mir stehen. Selbst die kleinen Fältchen an ihren Mundwinkeln konnte ich sehen. Wenn ich sonst von ihr träumte, sah ich lediglich ihren Körper. Auch einen Kopf .. aber kein Gesicht. Nicht mal Haare. Aber diesmal ... ich sah sie direkt vor mir. Außerdem trug sie, wie sie es immer tat, ihre dunkelblaue Windjacke, ihre marinefarbene Mütze, ihre, am Fußende umgeschlagene Jeanshose und ihre weiss-rot-gestreiften Turnschuhe. Wie oft hatte ich ihr damals versucht zu erklären, dass diese Kombination eher gewöhnungsbedürftig ist ... aber Mama fand sich so schön und genau so habe ich sie gestern Nacht gesehen.
Wir liefen also nebeneinander in den Supermarkt hinein. Ich konnte meine Umgebung genau wahrnehmen. Ich sah die Regale mit den Waren darinnen, sah die einzelnen Gänge, die Frau am Fleischerstand, die Kasse und die Kassiererin. Alles sah ich so direkt vor mir. Irgendwann begann Mama nach den Waren in den Regalen zu greifen, die sie zu benötigen schien, doch jedesmal sagte ich zu ihr:
"Nein das brauchst du doch gar nicht!", und stellte alles wieder zurück.
Irgendwann griff Mama nach einer ca. 3 Meter langen Keksschachtel und wollte sie in den Einkaufswagen stellen. Doch auch diese nahm ich ihr aus der Hand und schimpfte:
"Was willst du denn mit so einer großen Keksschachtel?!"
Und Mama entgegnete empört: "Na guck dir doch die Preise von den viel kleineren Keksschachteln an! Dagegen ist diese hier, die 5.80 € kostet, ein wahres Schnäppchen!"
Da hatte sie recht, darum lies ich Mama die Keksschachtel in den Einkaufswagen stellen. Nun schien Mama alles zu haben.
Sie sah mich an und sagte: "Ich gehe nun!"
Ich erwiderte: "Warte Mama, ich hab Durst, ich hole uns noch etwas zu trinken!"
Doch Mama sagte: "Ich gehe schon mal vor!"
Und sie lief einfach los mit ihrem Wagen.
"Warte Mama, warte doch!", hab ich gerufen und hastete durch die Gänge des Supermarktes, die mir plötzlich wie ein Labyrinth vorkamen.
Ich war in einem Zwiespalt ... ich wollte etwas zu trinken holen, aber gleichzeitig Mama nicht aus den Augen verlieren. Doch sie lief und lief, allerdings nicht richtung Kasse, sondern einfach gerade aus, irgendwo ins Nichts. Indess suchte ich verzweifelt nach etwas zu trinken.
Aber alles was ich fand, waren große Eistee-Packungen mit den Geschmacksrichtungen: Marzipan-Torten-Eistee oder Cornflakes-Eistee ...
Ich suchte aber einfach nur nach einer simplen Flasche Orangensaft ... Ich irrte durch die Gänge und irgendwann war mir schlagartig bewusst, dass ich hier keinen Orangensaft finden würde.

Und ich musste feststellen, dass Mama schon so weit weg von mir war, dass ich sie kaum noch sehen konnte. Ich sank zu Boden und weinte.
Ich weinte und schimpfte: "Scheisse, warum hast du sie nicht noch einmal umarmt, bevor sie gegangen ist?! Wieso nicht? Wieso musstest du nur diesen scheiss Orangensaft suchen?!"
Ich weinte und schimpfte ... dann wachte ich auf.
Ich setzte mich hoch und merkte sofort, wie nass meine Augen waren und wie nass mein Kopfkissen war ...

Den ganzen Tag heute in der Schule dachte ich an diesen Traum und habe versucht, eine Logik darin zu entdecken ... Ich träume doch nicht einfach so, sinnloserweise, so einen realen Traum, in dem ich Mama so Echt vor mir sehe wie noch nie zuvor in einem Traum ...
Falls es jemandem möglich ist, diesen Traum zu deuten, möge sie / er es mir bitte mitteilen.
Mir liegt sehr viel daran ...

"Slipped Away" von Avril Lavigne, ein wunderschöner Song, der ans Herz geht und mir aus der Seele spricht.





Comments:
Wenns dich wirklich interessiert....hier die Kurzfassung meiner Gedanken die mir beim Lesen deines Textes durch den Kopf schwirrten: Also erst mal: Der Supermarkt, bzw. das Einkaufen steht für etwas alltägliches bzw. den Alltag. Und jetzt so ganz spontan würde ich vermuten, dass du dir selbst Vorwürfe machst. Vorwürfe deiner Mutter vielleicht zu wenig Freiraum gelassen zu haben bzw. sie zu sehr bevormundet oder sie nicht so leben lassen hast wie sie es wollte (Waren wieder ins Regal zurück stellen und zu sagen "das brauchst du nicht"). Nur wenn sie dich überzeugen konnte und du es auch für richtig hielst hast du sie tun lassen was sie wollte (Schnäppchen-Keckspackung). Und ich denke du bereust, bzw wirfst dir vor, zu wenig "mit" deiner mutter gelebt zu haben und zu egoistisch gewesen zu sein und dich zu sehr auf dich und dein leben (suche nach einem Getränk das deinen Durst stillt) konzentriert zu haben, obwohl dir schon bewusst war, dass deine mutter nicht mehr ewig da sein wird (daher der Zwiespalt Getränk oder Mutter folgen? sonst verlier ich sie in den Gängen ((Labyrinth)=(Ratlosigkeit,Verzweilung, nicht wissen was zu tun, Gefühl bzw Angst haben alles zu vermasseln)). Als du dann gemerkt hast dass deine Mutter bald aus deiner Reichweite sein wird (im traum das weglaufen deiner mutter ganz am ende des ganges, in der realität die stark fortgeschrittene krankheit)und dir bewusst wurde, dass du dein glück nicht finden wirst, indem du dich zu sehr auf dein leben konzentrierst (deswegen gibts du die suche nach dem orangensaft auf und willst weiter deiner mutter folgen) bemerkst aber im darauffolgenden moment dass schon alles zu spät ist und lässt deine Mutter "ziehen".
Ich denke/vermute also mal, dass du in deinem Traum die letzte Zeit als deine Mutter noch lebte und den Tod deiner Mutter verarbeitest. Allerdings hab ich überhaupt keine Ahnung von der Traumdeutung und das was ich eben geschrieben hab ist nur das was mir beim lesen deines Eintrages durch den Kopf schoss...ist aber sicherlich nicht von bedeutung und totaler Blödsinn und zudem auch noch total verwirrend und bekloppt geschrieben, wie ich gerade festgestellt habe.
Dass du deine Mutter in dem Traum deutlicher gesehen hast als in den anderen...daraus kann ich mir jetzt so spontan auch keinen reim machen, ich denke dazu müsste man auch die träume kennen, in denen du nur ihre umrisse siehst, um einen zusammenhang sehen und rückschlüsse ziehen zu können.

Sorry, für meinen verwirrten Blödsinn...hoffe du verstehst ein wenig von dem was ich sagen wollte und bist jetzt nicht irgendwie dadurch verletzt!
 
Hallo Anonym. Danke für deinen Kommentar und deine Deutung.. auch wenn ich es selbst kaum glauben kann, hast du doch so manchen Punkt angesprochen, welcher der Wahrheit entspricht. Dies macht mir ein bisschen Angst, aber eher macht es mich wütend. Nicht, weil du es angesprochen hast, sondern weil ich verstehe was du meinst und manch solch eine Situation gleich direkt vor Augen habe.. Ich habe einiges falsch gemacht. Und manchmal liege ich deswegen wach und denke nach, anstatt zu schlafen. Denn ich weiß, dass ich nie wieder die Chance habe irgendetwas gut zu machen oder mich für irgendetwas zu entschuldigen oder ein Gespräch zu führen, welches irgendetwas aufklärt.. Was mir nun noch bleibt, ist, an das Grab meiner Mutter zu gehen und mit ihr zu reden, auf meine ganz spezielle Weise. ...
Auch wenn solche Träume mir Angst machen, so bin ich doch froh sie zu haben, denn so bin ich ihr wenigstens für eine Nacht ganz Nahe!

Danke für deinen Kommentar!

LiSi
 
Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass man nicht anonym kommentieren muss. Vor allem, wenn sich jemand so viel Mühe und Gedanken macht und einen wirklich guten Kommentar schreibt.

Einige der Gedanken hatte ich auch in ähnlicher Weise. Vor allem diese Beklemmung zwischen dem eigenen Leben ("etwas zu Trinken kaufen") und dem Leben Deiner Mutter.

Ich denke aber, dass man nicht jedes Detail deuten kann bzw. sollte. Supermarkt = Alltag finde ich schon recht weit hergeholt. Demnach wäre alles Alltag, wenn es nichts extrem fremdes wäre. Und wäre es etwas fremdes, z.B. in einer Wüste, dann hätte man gleich andere Interpretationen parat.

Hmmm... Nun ja Lisilein, dass Du noch mit dem "Verarbeiten" beschäftigt bist, weiß ich ja. Und das ist auch nachvollziehbar. Ich hoffe aber, dass Du derartige Träume nicht für Selbstvorwürfe nutzt. Denn die musst Du Dir nun wirklich nicht machen. Auch dann nicht, wenn Du zwischendurch mal Dein eigenes Leben gelebt hast!

Ich finde es nicht gut, wenn Du sagst "Ich habe einiges falsch gemacht." Natürlich kann ich das nicht wirklich beurteilen. Aber niemand ist perfekt und ich weiß, dass Du sicherlich immer versucht hast, Dein Leben mit der Situation in Deiner Familie in Einklang zu bringen.

Sage Dir "Ich habe vieles richtig gemacht!" Ich weiß sehr gut aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man sich derartige Vorwürfe macht. Es gibt unendlich viel, was man noch hätte machen und sagen können / sollen / müssen. Unendlich vieles, wo man meint, man hätte anders reagieren sollen.

Aber letztlich ist man doch immer man selbst geblieben. Deine Mutter wird Dein Handeln nicht als falsch empfunden haben! Da bin ich mir sicher. "Du hast vieles richtig gemacht!"
 
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